Häufig gestellte Fragen

Bitte beachten: Diese Antworten können die Beratung durch einen Anwalt nicht ersetzen. Wenn Sie Beteiligter in einem Strafverfahren sind und sich über die konkrete Rechtslage informieren möchten, vereinbaren Sie bitte einen persönlichen Beratungstermin (→).

Beauftragung und Kosten

Was kostet ein Strafverteidiger?

Die Anwaltskosten im Strafverfahren hängen unter anderem vom Verfahrensstadium, vom zuständigen Gericht und von der Anzahl der erforderlichen Verhandlungstermine ab. Ohne Kenntnis der genauen Umstände lässt sich die Frage daher nicht beantworten. Welche Kosten in etwa auf Sie zukommen, erläutere ich Ihnen gern in einem unverbindlichen ersten Gespräch (→).

Prozesskostenhilfe (PKH) oder Verfahrenskostenhilfe (VKH) für Bedürftige gibt es in Strafverfahren nicht. Das heißt, grundsätzlich muss jeder seinen Strafverteidiger selbst zahlen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es aber möglich, dass ein Pflichtverteidiger beigeordnet wird, der zunächst aus der Staatskasse bezahlt wird. Hier erfahren Sie mehr (→)

Bekomme ich einen Anwalt gestellt, wenn ich mir selbst keinen leisten kann?

Grundsätzlich leider nicht. Im Strafrecht gibt es, anders als in anderen Rechtsgebieten, keine Prozesskostenhilfe oder Verfahrenskostenhilfe für Bedürftige. Allerdings gibt es Situationen, in denen das Gesetz die Mitwirkung eines Strafverteidigers zwingend vorschreibt, zum Beispiel wenn der Tatvorwurf sehr schwerwiegend ist oder eine längere Haftstrafe droht. Falls bei Ihnen so ein Fall vorliegt und Sie sich keinen Anwalt leisten können, wird Ihnen ein Anwalt als Pflichtverteidiger (→) bestellt, der zunächst aus der Staatskasse bezahlt wird. Pflichtverteidiger kann grundsätzlich jeder Anwalt werden. Sie können also einen Anwalt oder eine Anwältin Ihres Vertrauens benennen (→).

Darf ich einen Strafverteidiger für jemand anderen beauftragen?

Wegen des Grundsatzes der freien Anwaltswahl darf man niemandem einen Anwalt „aufzwingen“, von dem dieser nicht vertreten werden möchte. Aber selbstverständlich dürfen Sie einen Anwalt damit beauftragen, mit Ihrem Angehörigen ein Beratungsgespräch durchzuführen oder diesen beispielsweise zur Anbahnung eines Verteidigungsmandates in der U-Haft zu besuchen.
Bitte beachten Sie jedoch, dass das Mandatsverhältnis immer nur zwischen Anwalt und Mandant besteht, und zwar mit allen Konsequenzen: der Anwalt hat zu allererst die Interessen seines Mandanten - und nicht etwa Ihre - zu vertreten und unterliegt - auch Ihnen gegenüber - der Schweigepflicht. Dies gilt auch dann, wenn Sie z.B. gesetzlicher Vertreter des minderjährigen Mandanten sind oder derjenige, der das Anwaltshonorar bezahlt. Wenn der Mandant den Anwalt also nicht ausdrücklich von der Schweigepflicht entbindet oder ihm gestattet, mit Ihnen Absprachen zu treffen, muss der Anwalt Sie wie einen unbeteiligten Dritten behandeln.

Kann ich ein Vollmachtformular bekommen?

Rechte und Pflichten von Beschuldigten

Ich wurde angezeigt. Was passiert jetzt?

Wenn gegen Sie der Anfangsverdacht einer Straftat besteht, wird die Polizei die Ermittlungen aufnehmen, also Erkundigungen anstellen und Beweise zusammentragen, um diesen Verdacht aufzuklären. Möglicherweise werden Sie zu einer Beschuldigtenvernehmung vorgeladen. Wenn die Polizei genug Informationen zusammengetragen hat, wird die Akte an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Dort wird entschieden, ob das Verfahren eingestellt wird – zum Beispiel weil Ihnen kein strafbares Verhalten nachgewiesen werden kann – oder ob gegen Sie Anklage bei Gericht erhoben wird.

Ich habe eine Vorladung von der Polizei bekommen. Muss ich da hin?

Nein, als Beschuldigter müssen Sie das nicht. Eine Vorladung von der Polizei ist nichts anderes als eine Einladung. Sie können Sie ignorieren, ohne irgendeine Sanktion befürchten zu müssen.

Bevor Sie zu einer Beschuldigtenvernehmung erscheinen sollten Sie vorab am besten einen Anwalt Ihres Vertrauens (→) kontaktieren. Dieser wird Ihnen in der Regel raten, nicht zu erscheinen. Im Zweifel sollte man nämlich sein Recht zu Schweigen nutzen und keine Aussage machen, bevor man Akteneinsicht erhalten hat.

Welche Rechte habe ich als Beschuldigter in einem Strafverfahren?

Jede Menge. Ihr wichtigstes Recht ist, dass Sie nicht gezwungen werden können, sich selbst zu belasten. Das bedeutet unter anderem, dass Sie das Recht zu schweigen haben. Außerdem dürfen Sie einen Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin mit Ihrer Verteidigung beauftragen (→), und zwar zu jedem Zeitpunkt im Strafverfahren.

Was passiert, wenn ich verhaftet werde?

Das kommt darauf an, weshalb man verhaftet wird. Wenn Sie aktuell einer Straftat verdächtigt werden oder auf frischer Tat ertappt wurden, werden Sie erst einmal vorläufig festgenommen und kommen in Polizeigewahrsam. Spätestens am nächsten Tag müssen Sie entweder freigelassen oder dem Haftrichter vorgeführt werden. Falls neben dringendem Tatverdacht auch ein Haftgrund – zum Beispiel Fluchtgefahr – vorliegt, kann der Richter Untersuchungshaft verhängen.

Mir wurde ein Strafbefehl zugestellt. Was bedeutet das und wie soll ich reagieren?

Polizei und Staatsanwaltschaft haben gegen Sie ermittelt und sind der Meinung, Ihnen eine Straftat nachweisen zu können. Falls die Tat und die Strafe aber nicht schwerwiegend sind und Sie keine gravierenden Vorstrafen haben, ist eine Gerichtsverhandlung aber nicht unbedingt erforderlich. Deswegen bekommen Sie einen Strafbefehl, d.h. Ihnen wird ein vorgefertigtes Urteil per Post zugestellt.

Wenn Sie die vorgeworfene Tat zugeben und die Strafe akzeptieren möchten, brauchen Sie auf den Strafbefehl nicht zu reagieren. Sie erhalten dann nach einiger Zeit Post von der Staatsanwaltschaft, in der steht, wie Sie Ihre Geldstrafe zahlen. Achtung: sobald der Strafbefehl rechtskräftig ist (2 Wochen nach Zustellung, wenn kein Einspruch eingelegt wurde) hat er die gleiche Wirkung wie ein rechtskräftiges Urteil. Sie sind dann also vorbestraft. Unter Umständen erscheint diese Vorstrafe auch in Ihrem Führungszeugnis.

Wenn Sie mit dem Tatvorwurf oder der Strafe nicht einverstanden sind, haben Sie ab Zustellung des Strafbefehls zwei Wochen Zeit, um Einspruch einzulegen (Genaueres steht im Abschnitt „Rechtsmittelbelehrung“ am Ende des Strafbefehls). Daraufhin findet dann – wie nach einer Anklage – eine Hauptverhandlung vor Gericht statt, auf die Sie sich am besten mithilfe eines Rechtsanwalts vorbereiten sollten.

Ich habe eine Anklageschrift erhalten. Was passiert jetzt?

Die Anklageschrift bedeutet, dass die Ermittlungen gegen Sie abgeschlossen sind und die Staatsanwaltschaft der Auffassung ist, dass die gesammelten Informationen ausreichen, um Sie zu verurteilen. Mit aller größter Wahrscheinlichkeit wird in Kürze eine Hauptverhandlung vor Gericht gegen Sie stattfinden. Sie sollten so schnell wie möglich einen Strafverteidiger aufsuchen, der mit Ihnen den Prozess vorbereitet, also die Sach- und Rechtslage durchgeht und mit Ihnen eine Strategie ausarbeitet.

Ich wurde verurteilt, bin aber mit dem Urteil nicht einverstanden. Was kann man jetzt noch tun?

Sobald das Urteil verkündet wurde hat man eine Woche Zeit, um Rechtsmittel (Berufung oder Revision) einzulegen. Das Einlegen eines Rechtsmittels kostet erst einmal überhaupt nichts und kann von Ihnen selbst ganz einfach mündlich am Ende der Gerichtsverhandlung oder per Brief ans Gericht erledigt werden.

Wenn Sie schon Rechtsmittel eingelegt haben oder die einwöchige Einlegungsfrist zumindest noch nicht vergangen ist, sollten Sie sich durch einen Rechtsanwalt zu den Chancen und Risiken des Rechtsmittels beraten lassen.

Wenn das Urteil bereits rechtskräftig ist, kann man es grundsätzlich nicht mehr abändern, es sei denn, dass zum Beispiel neue, bahnbrechende Beweise aufgetaucht sind, die Ihre Unschuld beweisen.

Rechte und Pflichten von Zeugen

Welche Pflichten habe ich als Zeuge in einem Strafverfahren?

Als Zeuge sind Sie verpflichtet, vor Gericht zu erscheinen und wahrheitsgemäß und vollständig auszusagen, woran Sie sich erinnern können. Die Aussage verweigern dürfen Sie nur in wenigen Ausnahmefällen, etwa wenn Sie mit dem Beschuldigten verwandt oder verschwägert sind oder wenn Sie eine berufliche Schweigepflicht haben. Außerdem müssen Sie Fragen dann nicht beantworten, wenn die Gefahr besteht, dass Sie selbst oder ein Angehöriger aufgrund Ihrer Antwort unter Straftatverdacht geraten könnten.

Ich habe eine Vorladung von der Polizei bekommen. Muss ich da hin?

In der Regel müssen Sie das nicht, egal ob Sie Zeuge oder Beschuldigter sind. Eine Vorladung von der Polizei ist grundsätzlich nichts anderes als eine Einladung. Sie können sie ignorieren, ohne irgendeine Sanktion befürchten zu müssen.

Etwas anderes gilt nur dann, wenn die polizeiliche Ladung ausdrücklich „im Auftrag der Staatsanwaltschaft“ erfolgt. Dann sind Sie zum Erscheinen und Aussagen verpflichtet. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Ich habe eine Vorladung von der Staatsanwaltschaft erhalten. Muss ich da hin?

Ja, gemäß § 161a StPO sind Sie verpflichtet, auf Ladung der Staatsanwaltschaft zu erscheinen und eine Aussage zu machen. Wenn Sie der Ladung nicht nachkommen droht ein Ordnungsgeld und die polizeiliche Vorführung zur Vernehmung.

Achtung: seit einer Gesetzesänderung 2017 gilt dasselbe für Ladungen zur Polizei, die im „Auftrag der Staatsanwaltschaft“ erfolgen (§ 163 Abs. 3 StPO). Das ist allerdings bei den wenigsten polizeilichen Ladungen der Fall. Mein Tipp: prüfen Sie ganz genau, ob in Ihrer Ladung von einem „Auftrag der Staatsanwaltschaft die Rede ist. Ist dies nicht der Fall, können Sie diese ohne Nachteile ignorieren. Genaueres zur neuen Rechtslage erkläre ich in diesem Video.

Muss ich als Zeuge vor Gericht erscheinen?

Ja, wenn das Gericht Ihnen eine Ladung zu einem Hauptverhandlungstermin schickt, müssen Sie dieser Folge leisten. Wenn Sie dies nicht tun riskieren Sie ein Ordnungsgeld oder können sogar zum Gerichtstermin polizeilich vorgeführt werden.

Ich bin Opfer einer Straftat. Welche Rechte habe ich im Strafverfahren?

Opfer bzw. Geschädigte haben im Strafverfahren die Stellung von Zeugen, d.h. sie unterstützen die Justiz durch Ihre Aussage bei der Klärung des Straftatverdachts.

Bei besonders gravierenden Straftaten, wie etwa Sexualdelikten, können Geschädigte auch als Nebenkläger an der Hauptverhandlung teilnehmen. Sie haben dann viel mehr Rechte als Zeugen. Zum Beispiel dürfen Sie selbst Fragen oder Beweisanträge stellen.

Ein Strafverfahren dient grundsätzlich nur dazu, den Straftatverdacht aufzuklären und ggf. den Täter zur Verantwortung zu ziehen. Schadenersatz oder Schmerzensgeld für Geschädigte gibt es über die Polizei oder Staatsanwaltschaft deshalb nicht. Erst wenn eine Strafsache vor Gericht verhandelt wird, kann ein Geschädigter seine Ansprüche im Rahmen eines sogenannten Adhäsionsverfahrens geltend machen.

Fragen von Angehörigen

Darf ich einen Strafverteidiger für jemand anderen beauftragen?

Wegen des Grundsatzes der freien Anwaltswahl darf man niemandem einen Anwalt „aufzwingen“, von dem dieser nicht vertreten werden möchte. Aber selbstverständlich dürfen Sie einen Anwalt damit beauftragen, mit Ihrem Angehörigen ein Beratungsgespräch durchzuführen oder diesen beispielsweise zur Anbahnung eines Verteidigungsmandates in der U-Haft zu besuchen.
Bitte beachten Sie jedoch, dass das Mandatsverhältnis immer nur zwischen Anwalt und Mandant besteht, und zwar mit allen Konsequenzen: der Anwalt hat zu allererst die Interessen seines Mandanten - und nicht etwa Ihre - zu vertreten und unterliegt - auch Ihnen gegenüber - der Schweigepflicht. Dies gilt auch dann, wenn Sie z.B. gesetzlicher Vertreter des minderjährigen Mandanten sind oder derjenige, der das Anwaltshonorar bezahlt. Wenn der Mandant den Anwalt also nicht ausdrücklich von der Schweigepflicht entbindet oder ihm gestattet, mit Ihnen Absprachen zu treffen, muss der Anwalt Sie wie einen unbeteiligten Dritten behandeln.

Darf ich einen Freund oder Verwandten zum Gerichtstermin begleiten?

Im deutschen Strafprozessrecht gilt der Öffentlichkeitsgrundsatz. Das heißt auch wenn Sie selbst nicht Verfahrensbeteiligter oder Zeuge sind, dürfen Sie an einer Gerichtsverhandlung als Zuschauer teilnehmen.
Der Öffentlichkeitsgrundsatz gilt jedoch nicht, wenn ein Jugendlicher auf der Anklagebank sitzt, da hier der Schutz von dessen Privatsphäre Vorrang hat. Deren gesetzliche Vertreter haben aber natürlich ein Anwesenheitsrecht.

Ein Angehöriger sitzt in Haft. Wie kann ich ihn kontaktieren oder sonst unterstützen?

Wenn sich Ihr Angehöriger in Strafhaft (Absitzen einer Haftstrafe) befindet und Sie wissen, in welcher Justizvollzugsanstalt er sich befindet, besuchen Sie am besten deren Internetseite. Dort finden Sie in der Regel ausführliche Informationen darüber, wann und wie häufig Gefangene besucht werden dürfen, wie man Ihnen Bekleidung zuschicken kann, wie man Geld auf das Gefangenenkonto einzahlen kann usw.

Wenn sich Ihr Angehöriger in Untersuchungshaft befindet, kann es sein, dass seine Kontaktmöglichkeiten wegen des laufenden Verfahrens eingeschränkt sind. Das bedeutet, dass Sie eventuell eine Besuchserlaubnis benötigen oder dass Telefonate überwacht werden können. In diesem Fall wenden Sie sich am besten an seine Anwältin oder seinen Anwalt.

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