Warum benötige ich einen Strafverteidiger?

Wer in den Fokus eines Strafverfahrens gerät, darf einen Strafverteidiger zu seiner Unterstützung hinzuziehen, und zwar in jedem Stadium des Verfahrens.

Ein Strafverteidiger kennt nicht nur die Feinheiten des materiellen Strafrechts und des Strafprozessrechts, sondern ist auch Ihr unabhängiger und absolut verschwiegener Ansprechpartner für Ihr ganz persönliches Rechtsproblem (→).

Was leistet ein Strafverteidiger?

Viele Menschen scheuen den Gang zum Rechtsanwalt – nicht nur, weil der Anlass meist kein schöner ist, sondern auch, weil sie hohe Kosten befürchten ohne genau zu wissen, welche Gegenleistung der Anwalt ihnen dafür bieten wird.

Sie brauchen keinen Textbaustein oder ein Formular, sondern eine ganz konkrete Auskunft, welche Ermittlungsmaßnahmen auf Sie zukommen können, welche Strafe Ihnen womöglich droht oder welche persönlichen und beruflichen Folgen das Verfahren für Sie haben kann.

Gemäß § 1 der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) (⇗) ist ein Rechtsanwalt „ein unabhängiges Organ der Rechtspflege“. Organ der Rechtspflege bedeutet jedoch nicht, dass Rechtsanwälte Teil der Strafjustiz sind, sondern ganz im Gegenteil stellen Rechtsanwälte als Gegengewicht zur Justiz durch Ihre freie Berufsausübung sicher, dass der Rechtsstaat funktioniert. Gerade Strafverteidiger, die in einem Strafverfahren nur einen einzigen Beschuldigten verteidigen dürfen, sind absolut unabhängig von Interessen Dritter. Das heißt jedoch nicht, dass ein Strafverteidiger für Sie lügen oder belastende Beweismittel beiseiteschaffen darf – sonst würde er sich selbst wegen Strafvereitelung strafbar machen. Sie können sich jedoch sicher sein, dass alles, was zwischen Ihnen und Ihrem Verteidiger besprochen wird, der Schweigepflicht unterliegt. Denn nur so ist gewährleistet, dass Sie eine ehrliche und zuverlässige Einschätzung der Sachlage erhalten.

Anwaltliche Schweigepflicht

Alles was Sie einem Anwalt in Bezug auf Ihr Rechtsproblem anvertrauen unterliegt der anwaltlichen Schweigepflicht. Hierzu gehören nicht nur Detailinformationen, sondern sogar das Bestehen des Mandatsverhältnisses an sich. Das heißt, sogar wenn Sie nur ein Erstgespräch mit Ihrem potentiellen Verteidiger geführt haben und kein Mandat zustande gekommen ist, unterliegen dieses Gespräch und sein Inhalt dem Siegel der absoluten Verschwiegenheit. Die anwaltliche Schweigepflicht ist sogar strafbewehrt – das bedeutet, dass sich der Anwalt wegen § 203 StGB (⇗) wegen der Verletzung von Privatgeheimnissen strafbar macht, wenn er sie verletzt.

Auswahl des Strafverteidigers

Bei der Auswahl Ihres Strafverteidigers sollten Sie – wie bei der Auswahl jedes Rechtsanwalts – unbedingt darauf achten, dass dieser die passende fachliche Kompetenz mitbringt, um Sie effektiv zu verteidigen. Das Rechtswesen ist sehr vielfältig und die Rechtsprechung entwickelt sich ständig weiter, sodass Sie unbedingt auf einen Rechtsanwalt setzen sollten, der  Strafverteidigung nicht nur nebenbei macht, sondern weiß was er tut. Für Sie ist Ihr Strafverfahren schließlich auch keine Nebensache.

Da die Verteidigung im Strafverfahren eine ziemlich persönliche Angelegenheit ist, sollte natürlich auch die Chemie stimmen, damit die Kommunikation zwischen Anwalt und Mandant auf einer Wellenlänge stattfindet. Nicht zuletzt müssen Sie Ihrem Verteidiger vertrauen können. Die Einhaltung der anwaltlichen Schweigepflicht ist übrigens durch das Strafrecht und das anwaltliche Berufsrecht streng geschützt. Die Frage, ob Sie Ihrem Verteidiger gegenüber eine Straftat zugeben können, ohne dass dies negative Folgen hat, lässt sich daher mit einem Zitat des bekannten Strafverteidigers Hans Dahs jun. (1935-2018) kurz und knapp beantworten:

"Alles was der Verteidiger sagt, muss wahr sein, aber er darf nicht alles sagen, was wahr ist."

Unterschied zwischen Wahlverteidiger und Pflichtverteidiger

Sicher sind Sie bereits auf die Begriffe Wahlverteidiger und Pflichtverteidiger gestoßen und haben sich gefragt, was beide von einander unterscheidet. Die Antwort lautet, bezogen auf die anwaltlichen Rechte und Pflichten bei der Verteidigung eines Beschuldigten: nichts. Jeder deutsche Anwalt kann Pflichtverteidiger sein; es handelt sich also nicht um einen gesonderten Berufszweig wie den public defender im US-amerikanischen Recht. Ein vom Gericht beigeordneter (verpflichteter) Verteidiger ist genauso wie ein von Ihnen privatrechtlich beauftragter (gewählter) Verteidiger verpflichtet, Sie nach bestem Wissen und Können zu verteidigen. Pflichtverteidiger und Wahlverteidiger können dieselben Rechte ausüben (Anträge stellen, Rechtsmittel einlegen, Inhaftierte aufsuchen etc.) und vor denselben Gerichten auftreten.

Der Unterschied besteht darin, dass der Pflichtverteidiger zu seiner Tätigkeit vom Staat verpflichtet wurde, weil es sich um einen Fall notwendiger Verteidigung handelt und Ihre durchgehende anwaltliche Betreuung im Verfahren nicht anders sichergestellt werden kann, z.B. weil Sie selbst aus finanziellen Gründen noch keinen Anwalt beauftragt haben oder weil ein sehr langes Verfahren droht, in dem die anfallenden Anwaltskosten überhaupt noch nicht absehbar sind. Die Beiordnung eines Verteidigers ist in solchen Umfangsverfahren eine Art Versicherung für die Justiz, dass der Prozess überhaupt durchgeführt werden kann und nicht wegen des Ausfalls eines Anwalts „platzt“. Ein Pflichtverteidiger kann sich nämlich nicht einfach aus einem Verfahren zurückziehen, sondern muss dieses grundsätzlich bis zum Abschluss betreuen. Im Gegenzug erhält der Pflichtverteidiger seine Vergütung aus der Staatskasse. Mehr zum Thema Pflichtverteidigung erfahren Sie hier (→)

Kosten der Strafverteidigung

Während man für viele Dienstleistungen des täglichen Lebens oder aus dem eigenen beruflichen Umfeld ein Preisgefühl hat, kann man Anwaltskosten häufig schwer einschätzen. Verständlicherweise möchten Sie aber wissen, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen. Da sich diese Frage nicht ohne Grundkenntnis Ihres Falls beantworten lässt, gebe ich Ihnen gern eine individuelle Kostenschätzung nach einem unverbindlichen Erstgespräch (→)

Pflichtverteidigung LIEBSCHER Strafrecht
kompetente Strafverteidigung in Leipzig und bundesweit

Gute Arbeit hat Ihren Preis. Die Höhe der Rechtsanwaltsvergütung hängt maßgeblich davon ab, wie gut der Anwalt ausgebildet ist, wie erfahren und effektiv er in seinem Rechtsgebiet ist und wie viel Zeit er der Arbeit an Ihrem Fall widmet. Was Sie wollen, ist schließlich ein Strafverteidiger, der sein Handwerk beherrscht und es gezielt für Sie einsetzt, anstatt Textbausteine zu verkaufen. Billig-Angebote für anwaltliche Leistungen sollten Sie daher immer kritisch hinterfragen: pauschale Ratschläge, wie sie von Anwalts-Hotlines, Webportalen oder anderen Preiskämpfern angeboten werden, sind nicht unbedingt „falsch“ oder „schlecht“ – aber sie sind immer pauschal. Mit der Frage aller Fragen, wie es für Sie in Ihrem Fall steht, werden Sie von diesen Anbietern leider allein gelassen. Da eine sinnvolle Strafverteidigung nie „von der Stange“, sondern immer individuell ist, hat sie auch ihren Preis.

Unter Strafverteidigern gibt es verschiedene Arten der Abrechnung:

Ist nichts Abweichendes vereinbart, gilt das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) (⇗). In Strafsachen können Anwälte gemäß RVG pauschale Gebühren für die erstmalige Einarbeitung in den Fall und den jeweiligen Verfahrensabschnitt fordern. Die Höhe dieser Gebühren ist aber nicht auf den Euro genau festgelegt, sondern bewegt sich jeweils in gewissen Rahmen (sog. Betragsrahmengebühren). Je nach Schwierigkeit der Sach- und Rechtslage und anderer Faktoren (§ 14 RVG) können diese Grundgebühr und Verfahrensgebühr innerhalb dieser Rahmen höher oder geringer ausfallen. Für die Tätigkeit in Gerichtsverhandlungen fällt für jeden Verhandlungstermin eine Terminsgebühr an, die auch innerhalb eines solchen Rahmens liegt. Die Betragsrahmen können Sie Abschnitt 4 der Anlage 1 zum RVG (⇗) entnehmen.

Grob lässt sich sagen: die Verteidigung in einem einfachen Ermittlungsverfahren, das mithilfe des Strafverteidigers von der Staatsanwaltschaft eingestellt wird, wird gemäß RVG voraussichtlich Kosten im dreistelligen Bereich verursachen. Für die Betreuung in einem Hauptverfahren, in dem umfangreiche Akten aufgearbeitet werden müssen und in dem mehrere Gerichtstermine erforderlich sind, fallen zumindest Kosten im vierstelligen Bereich an.

Da die vom RVG vorgeschlagene Vergütungsstruktur in manchen Fällen nicht angemessen ist, können Strafverteidiger auch Vergütungsvereinbarungen (auch Honorarvereinbarungen genannt) abschließen. In Betracht kommen solche Vergütungsvereinbarungen etwa in komplexen Ermittlungsverfahren (häufig in Wirtschaftsstrafsachen (→), in denen der tatsächliche Arbeitsaufwand des Verteidigers von den gesetzlichen Gebühren nicht abgedeckt werden kann. Gleiches gilt für die Abfassung umfangreicher Revisionsbegründungen (→). In solchen Fällen werden in der Regel Pauschalpreise oder Stundensätze (mit entsprechender Schätzung des voraussichtlichen Stundenaufwands) vereinbart.

Was Sie erwarten können

Wenn Sie mich mit Ihrer Verteidigung beauftragen, werde ich mit Ihnen als Erstes eine umfassende Bestandsaufnahme durchführen. Welche Tatsachen hat die Justiz bislang ermittelt, und wie werden diese strafrechtlich bewertet? Wie ist Ihre Sicht der Dinge?


Gemeinsam legen wir ein Verteidigungsziel fest – etwa die Einstellung des Ermittlungsverfahrens oder dass eine zu erwartende Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt wird – und entwickeln davon ausgehend eine Verteidigungsstrategie. Dann geht es an die Feinarbeit:

Strafverteidigung Abhang Scheideweg
  • Wie können wir die Verfahrensrechte, die Ihnen zur Verfügung stehen, am besten nutzen?
  • Sollten Sie von Ihrem Schweigerecht Gebrauch machen oder sich äußern?
  • Welche Beweismittel sollten wir in das Verfahren einführen?

Ein Strafverfahren ist selten ein Sprint, sondern meistens eher eine Art Mehrkampf. Wer ihn nicht allein kämpfen muss hat am Ende die besten Chancen, ihn zu überstehen.
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Um mich bestmöglich für meine Mandanten einsetzen zu können bilde ich mich daher stetig weiter und konzentriere mich – neben der Tätigkeit im allgemeinen Strafrecht (→) – auch auf besondere Bereiche des Strafrechts über die Sie auf den folgenden Seiten mehr erfahren können.